Schleswig-Holstein: Hartenholm beurlaubt Weber
09.09.2013

Lange Zeit galt der TuS Hartenholm als der etwas andere Verein: Ohne ihre Spielern finanziell zu entlohnen, schafften die Segeberger im Sommer 2013 ebenso sensationell, wie sie ein Jahr zuvor als Meister der Verbandsliga Süd-West in die Schleswig-Holstein-Liga aufgestiegen waren, dort den Klassenerhalt. Großen Anteil an diesen Erfolgen hatte Markus Weber, der im Sommer 2011 das Traineramt beim TuS übernommen hatte.

Auch, als es im Herbst 2012 Niederlagen hagelte, galt Weber als unantastbar; im Februar 2013 war sein Vertrag bis zum 30. Juni 2014 verlängert worden – doch als aus den ersten sieben Partien der Saison 2013/2014 nur ein Punkt geholt wurde, entschied die Hartenholmer Fußball-Abteilungsleitung, sich von Weber zu trennen. „Mir wurde dies am vergangenen Sonntagabend telefonisch mitgeteilt“, so Weber, der dazu lapidar sagte: „Das ist Fußball ...“ Weber wollte sich zu seiner Beurlaubung „nicht näher äußern“, stellte aber noch einmal klar: „Ich habe es genossen, mit so einer Mannschaft arbeiten zu dürfen!“ TuS-Fußball-Obmann Patrick Petersen-Lund gab „sportliche Gründe“ für die Beurlaubung von Weber an. Am Dienstag erklärte sich die Sportliche Leitung um Liga-Obmann Heinrich-Wilhelm Genz, Co-Trainer Remi Ehlert sowie Torwarttrainer und Betreuer Oliver Liebert mit Weber solidarisch – alle drei traten von ihren Ämtern zurück. „Dieser Schritt ist mir nicht leicht gefallen, weil die Mannschaft mir sehr ans Herz gewachsen ist“, so Genz, der aber betonte: „Ich war bei vielen Trainingseinheiten und Mannschaftsbesprechungen dabei und konnte Weber nichts vorwerfen!“

Zudem fühlte sich Genz von der Fußball-Abteilungsleitung seines Klubs übergangen: „In den Prozess, Weber zu beurlauben, bin ich nicht mit einbezogen worden: Wenn ich gefragt worden wäre und in einer demokratischen Abstimmung über Webers Zukunft verloren hätte, hätte ich weiterhin zur Verfügung gestanden – aber so konnte ich das nicht akzeptieren!“ Genz betonte allerdings auch: „Ich bin mit dem Vorstand im Guten auseinander gegangen!“ Als die Hartenholmer am Sonntag Flensburg 08 empfingen, weilte Genz unter den Zuschauern. Verantwortlich an der Seitenlinie stand als Interimstrainer Arne Westphal. Der frühere TuS-Spieler stellte aber klar, dass sein Engagement keine Dauerlösung werden kann: „Ich habe dem Verein einen Gefallen getan, kann aber aus zeitlichen Gründen nicht dauerhaft als Trainer arbeiten!“ Patrick Petersen-Lund befindet sich auf der Suche nach einem neuen Chefcoach: „Wir hoffen, hier zeitnah Vollzug melden zu können, und haben in der nun beginnenden Woche einige Gesprächstermine!“

Gegen Flensburg 08 agierte der Tabellenletzte mit einem neuen System: Von der 4-4-2-Grundordnung mit zwei Stürmern erhoffte Westphal sich „mehr Offensivimpulse“ und stellte zufrieden fest: „Wir haben stark begonnen!“ Die Gäste hatten zwar mehr Spielanteile, doch die Segeberger konterten immer wieder gefährlich, vor allem über den schnellen Jannik Holz. Holz war es auch, der bereits nach drei Minuten nach überragender Vorarbeit von Tim Ollenschläger zum 1:0 vollstreckte. „Diesem frühen Rückstand sind wir lange vergeblich hinterher gelaufen“, gab 08-Coach Frank Papenberg zu. Nicholas Holtze brachte das „Kunststück“ fertig, in der ersten Halbzeit gleich zweimal mutterseelenalleine vor dem TuS-Tor aufzutauchen, den Ball dann aber jeweils am Ziel vorbeizuschieben. Im Anschluss an einen Eckstoß, der nach Ansicht der Hartenholmer allerdings keiner war, fiel das verdiente 1:1. Vadim Galinger, eigentlich Linksfuß, zog von der Strafraumgrenze aus mit rechts ab, der Ball wurde auf dem nassen Rasen immer schneller und sprang über die Hand von TuS-Torwart Felix Rathjen (vertrat den rot-gesperrten Christopher Newe) unten rechts ins Netz (22.).

In der ersten Viertelstunde der zweiten Halbzeit hatten die Gäste klare Vorteile, doch Galinger schoss zweimal freistehend vorbei und Flemming Barth scheiterte per Kopf aus Nahdistanz. „Solche Chancen muss man einfach nutzen“, haderte Papenberg. Dann waren die Hartenholmer am Drücker und hatten Chancen, die zweimal Björn Johannsson sowie Ollenschläger jedoch nicht nutzten. Nachdem sich 08-Rechtsverteidiger Thomas Carstensen am Knöchel verletzte (nach dem Spiel wurde er vom Krankenwagen ins Krankenhaus nach Neumünster gebracht), fiel in der Nachspielzeit doch noch der Flensburger Siegtreffer: Holtze steckte den Ball gut durch zu „Joker“ Mergim Kuci, der Rathjen ausspielte und zum 1:2 einschob (91.). „Eine bittere Nummer – so verliert man nur, wenn man unten steht“, klagte Westphal. Papenberg empfand den Sieg als „verdient, weil wir mehr Spielanteile hatten“; Westphal hielt dagegen: „Den Umständen entsprechend hat unsere Mannschaft eine gute Leistung gezeigt und hätte einen Punkt verdient gehabt!“

(JSp)


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